Veröffentlicht am 10. April 2026 um 08:27 Uhr:

Warum ich Aphorismen schreibe

„Was machst du? Aphorismen schreiben? Was ist denn das, Aphorismen? Verdient man damit gut? Kann man davon leben?“ Mit solchen Fragen werde ich sehr häufig konfrontiert. Ja, ich schreibe Aphorismen, und nein, man verdient damit nicht nur nicht gut, sondern fast gar nichts. Aber um zu verstehen, warum einer das trotzdem tut, muss man erst einmal wissen, was Aphorismen eigentlich sind. Die meisten Menschen geben das Wort gleich in ihr Smartphone ein, um eine Erklärung zu erhalten. Dort kann man lesen, dass ein Aphorismus ein „selbstständiger einzelner Gedanke, ein Urteil oder eine Lebensweisheit“ (Wikipedia) sei, aus einem oder wenigen Sätzen bestehend. Alles klar? Vermutlich noch nicht so ganz. Der Aphorismus ist kurz, sehr kurz – er ist die kürzeste aller literarischen Prosagattungen. Schon Fabeln sind kurz, oft nur ein halbe Seite lang, aber Aphorismen eben noch knapper. „Der Romancier ist Erzähler, der Poet Dichter und der Aphoristiker Verdichter“, beschreibe ich dieses Prinzip in meinem aktuellen Buch „An der Denkbar“ (S. 19)*). Die Nachricht über ein besonderes Verkehrs-Chaos, die in der Zeitung einen kurzen Artikel von acht Zeilen beansprucht, wird im Aphorismus zu einem Minimaltext, etwa: „Im Stau steht man nicht – man wird gestanden“ (S. 93). Dieser Satz hat zwar keinen Informationswert wie die Zeitungsnotiz, aber er provoziert das Nachdenken: Kann „stehen“ überhaupt eine Passivform haben? Einen „gestandenen Mann“ kennt man ja, aber einen, der gestanden wird? Wieso steht man im Stau nicht – das ist doch der Charakter eines Staus, dass man stehen muss. Ja, doch, man wird im Stau zum Stillstand gezwungen, aber das ist doch kein richtiges Deutsch, dieses „man wird gestanden“. Man denkt über ...

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